Willkommen in der besonderen Liga der Neo Classics®!
Bereit machen für den besonderen Moment. Eins sein mit sich selbst … und dem Auto. Unverfälscht und ohne Kompromisse. Leere Straßen, Spannung, Konzentration und pures Adrenalin. Dies sind die Momente, um noch weiter zu gehen. Eben bis ans absolute Limit. So das Resümee von Christof Sage nach seiner Rückkehr von der Testfahrt mit dem neuen McLaren 600 LT.

Jede Geschichte beginnt mit einem Moment. Manche davon verändern das Leben.

Obwohl sich McLaren binnen weniger Jahre in die Liga um Lamborghini, Ferrari und Porsche hochgearbeitet hat, bleibt die Aufmerksamkeit zum Großteil noch aus. Das könnten die aktuellen Modelle, darunter der 600 LT nachhaltig ändern. Mitbewerber Porsche hat im letzten Jahr seine 70 Jahre Tradition gefeiert. McLaren kommt erst auf etwa zehn Jahre. In dieser kurzen Zeit hat sich der aus einem Formel-1-Rennstall hervorgegangene Sportwagenhersteller in die Champions League der Supersportler hineingefahren, die Sportwagenfans der Welt haben längst erkannt, dass aus Woking nahe London wahrhaft außergewöhnliche Fahrzeuge kommen. Und so nimmt die neueste Entwicklung, der 600 PS starke 600LT, drei Wettbewerber ins Visier: den Ferrari 488 GTB, den Lamborghini Huracan Performante und den Porsche 911 GT2 RS. Der bringt mit 700 PS zwar 100 PS mehr mit als der Engländer, aber auch über 100 Kilogramm mehr auf die Waage. Kein Wunder angesichts des Karosserie-Materials: Stahlblech in Stuttgart, Carbon in Woking.

Bei den Fahrleistungen nehmen sich die Kontrahenten vom Kontinent und der Insel unterm Strich aber nichts. Beeindruckende Zahlen sind das allemal: Unter drei Sekunden schießen sie auf Tempo 100, knapp über acht auf 200. Vom McLaren 570S unterscheidet sich der McLaren 600LT – abgesehen vom höheren Preis von 230 000 Euro – vor allem durch sein um 47 Millimeter verlängertes Heck: LT steht für Longtail. Die so optimierte Aerodynamik erhöht den Anpressdruck um 100 Kilo. Weitere Pluspunkte gegenüber dem Basismodell: 30 Mehr-PS, 100 Minder-Kilo, eine überarbeitete Abgas-Anlage, deren Endschalldämpfer spektakulär himmelwärts aus dem Heck ragen. Außerdem Modifikation an Fahrwerk, die Bremsen des noch teureren 720, und so weiter und so fort. 23 Prozent aller Teile, erklärt Frank Steffling von McLaren, seien gegenüber dem 570S modifiziert. Soweit die Berichterstattung in Papierform. In der Praxis steht die Modifizierung für einen schier unglaublichen Vorwärtsdrang, den der McLaren in der typisch britisch präzisen, fast schon britisch unterkühlten Art und Weise performt. Die Charakteristik gilt schon für das „Einstiegsmodell“, den 570S – und für den 600LT erst recht: Ein Werkzeug der Geschwindigkeit, aber – das ist das Überraschende: Er ist kein spektakulär Lauter. Mit einem präsenten Motorsound, der vor allem dank der Endschalldämpfer im Nacken des Fahrers durchaus krawalliger klingt als der des 570S,
schießt der 600er auf die Rennstrecke. Der 3,8-Liter-Doppelturbo V8 Motor baut ab mittlerem Drehzahlbereich enormen Druck auf, dreht spontan und ohne spürbare Turbo-Verzögerung hoch. Mit
einer messerscharfen Präzision lässt sich der Wagen durch Kurven und Kehren der „Box Canyon Road“ in Kalifornien dirigieren, folgt sofort jedem Bremsbefehl, bremst auf den Punkt. In der Summe seiner Eigenschaften ist der 600LT näher am Extremsportler Senna als am Einstiegs-McLaren 570S.

MIT DEM 600-PS-SPORTWAGEN ÜBER DIE RENNSTRECKE

Mit der Einführung des neuen McLaren 600LT beginnt das nächste Kapitel der Longtail-Serie und setzt neue Maßstäbe für die Leistung von Supersportwagen. Der 600LT ist die schnellste, leistungsstärkste – straßenzugelassene – McLaren Sports Series, die jemals entwickelt wurde.

Das Faszinierende am 600 LT ist demnach nicht das Motorgeräusch, das ist wohl der Straßenzulassung geschuldet. Es ist auch nicht unbedingt die Beschleunigung, eingezwängt in den Schalensitz und fixiert mit Sechspunkt-Gurten nimmt man die knapp drei Sekunden für den Spurt von 0 auf 100 km/h oder die weiteren vier Sekunden, bis die 200 erreicht sind, gar nicht so wahr. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 328km/h. Das Überwältigende ist die außergewöhnliche Bremsleistung. „Push it, push it, push it“, ruft mein rennerprobter Beifahrer immer noch, als wir mit fast 300 km/h am Ende der Rennstrecke auf die sich anschließende Rechtskurve zufliegen. „Brake!“