CRUISER ODER DRIVER
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Sehnsucht ist, was uns antreibt.
Die Sehnsucht nach Freiheit. Die Verheißung von Aufbruch und Veränderung. Unendliche Möglichkeiten als Ziel an sich. Und natürlich Liebe. Filmklassiker beschwören diese Gefühle am liebsten im offenen Wagen fahrend: an die Küste, am Ufer entlang, mit dem Blick aufs weite Meer. Jean LouisTrintignant und Anouk Aimee verlieben sich als „Un homme et une femme“ in Deauville. Steve McQueen und Faye Dunaway in „The Thomas Crown Affair“ genießen ihre Zweisamkeit am Crane Beach in Massachusetts. Cary Grant und Grace Kelly küssen sich zum ersten Mal auf den Serpentinen über den „Dächern von Nizza“. Heimlicher Hauptdarsteller jeweils: ein Fahrzeug der besonderen Art.

So ist das auch in dieser Geschichte, die uns an die Côte d’Azur – genauer gesagt, nach Monaco führt. Das fragliche, besondere Automobil, das mich dort erwartet: ein Ferrari California T, Baujahr 2015. Breiter Kühlergrill, edle Chromteile, elegant gerundete Kotflügel, perfektes Styling und in rotglänzendem Lack. Ein Auto, nein: eine Maschine, wie für unser Heft bestellt
. Seit Anbeginn seiner Produktion genießt Ferrari als Sportwagenlegende weltweiten Kultstatus. Von Anfang an trug Hollywood zu dieser weltweiten Bekanntheit bei. Kaum erschienen damals in den USA die ersten Modelle mit dem springenden Pferd, schon bekamen sie Filmangebote. Viele ikonische Automobile entstanden in jenen Jahren. Skulpturen der Bewegung. Der Mensch glaubte an Fortschritt und Tempo und die Erreichbarkeit des Horizonts. Und so wurde der Ferrari zum Traumwagen, nicht nur für die Traumfabrik.

Dorthin, nach Monaco zieht es mich auf den Spuren unserer Stars aus längst vergangenen Zeiten. Anlass ist eine Einladung von Ferrari. Ich soll den neuen California T kennenlernen. Druck auf den Startknopf. Kurzes Wimmern, ein Blaffen, dann summt der Ferrari California T im tiefen Leerlauf – kaum ein Unterschied zum bisherigen California. Schon bisher war mir der California nicht gerade als Rabauke bekannt, doch der T zeigt nochmals bessere Manieren. Vor allem beim Fahrkomfort. Und selbst bei forcierter Tempo über Autobahn und Schnellstraße halten sich Windgeräusche so weit zurück, dass man fast daran zweifelt, ob der Ferrari California T tatsächlich ein faltbares Blechdach mit allen dafür nötigen Fugen und Kanten besitzt. Ohne Frage bezwingt der Ferrari California T den Alltag noch gelassener als bisher, weshalb er mittlerweile ähnlichen Erstauto-Charakter besitzt wie ein Mercedes SL. Zumal die Wartungskosten – das K.O.-Kriterium schlechthin – längst ihren Schrecken verloren haben: Ferrari übernimmt die Routine-Reparaturen sieben Jahre lang.
Der Ferrari weckt Emotionen, seine Form allein beschleunigt den Puls wie sonst nur kräftiger Espresso. Los jetzt, befiehlt der Verstand, der wieder die Oberhand gewinnt, gib’s ihm! Er will es. Braucht es. Ist ein Ferrari. Also in den manuellen Getriebemodus wechseln, Vollgas bei 2.000/min. Und ab durch die Mitte. Klick, nächster Gang im Ferrari California T. Drehgier wie beim Saugmotor, aber noch fetterer Schub. Geht doch.

Von Null-auf-hundert in dreieinhalb Sekunden ist eine nüchterne Ansage. Mamma mia, was für ein Auto! Das Gefühl, von einem gigantischen Katapult den Asphalt entlanggeschleudert zu werden, hat jedoch mit solch rationaler Analyse nicht das Geringste zu tun. Du trittst das Pedal durch und der gewaltige Druck im Kreuz hört einfach nicht mehr auf, auch nicht nach der Hunderter-Marke. Im Gegenteil, mit jedem Meter, der unter dem Fahrzeug verschwindet, scheint die Beschleunigung in dem Maß zuzunehmen, in dem meine Fähigkeit, Atem zu holen, nachlässt. Der neue V8-Motor mit einem Hubraum von 3.855 cm3 leistet 560 PS (145 PS/l, ein Rekordwert in seiner Kategorie) mit einem maximalen Drehmoment von 755 Nm im 7. Gang leistet Großartiges, unterlegt mit einem klassisch starken und beeindruckenden Ferrari Soundtrack. Physikalische Gesetze dieser Art resultieren bei meinem Ausritt über die gewundenen Straßen der Alpes-Maritimes in einem mikrosekundenlangen Panikanfall, als das Heck eines vor mir auftauchenden Citroen auftaucht. Ausatmen!
Ich nehme den Fuß kurz vom Pedal. Das war ziemlich wagemutig, denn die Straßen in Frankreich sind größtenteils ebenso katastrophal wie der dortige Verkehr. Auf der Geraden ist der California T unglaublich schnell, und mit den serienmäßigen Carbon-Keramik-Bremsen und dem (optionalen) magnetorheologisches Dämpfersystem kann man viel, viel später vor den Kurven anbremsen. Die Lenkung ist sehr präzise, perfekt ausbalanciert. Somit steht echtem Fahrspaß nichts im Wege. Es geht bergauf und bergab, über Viadukte und Schluchten, vorbei an imposanten Felswänden zurück zum Hotel de Paris am berühmten Place du Casino. Und irgendwann auch wieder nach Hause nach Stuttgart. Ins Büro an den Schreibtisch. Ciao bella macchina.

WENN DER CALIFORNIA RICHTIG LOSGEHT, KÖNNTE DAS F ANSTATT FÜR »FERRARI« AUCH FÜR » FAST FORWARD« STEHEN.

TEXT: Stefan Pohl // FOTOS: Ferrari