ZEIT ZURÜCK DREHEN
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Luxus bedeutet Exklusivität, die Erfahrung des Einzigartigen.

Eine neue Uhr verkörpert die Faszination des kultivierten Zeiterfassen in der Schnittmenge aller relevanten Lebensbereiche. Auch. Ansonsten sind Uhren von Junghans immer eine Geschichte wert.

TEXT: CHRISTIAN WILD // FOTOS: KERSTIN BUTZ

Eigentum verpflichtet. Und wer ein Leben lang gearbeitet hat, um beispielsweise sein Haus abzubezahlen, will es in der Regel an die Nachkommen weitergeben. Und wer wie ich eine Uhr von seinem Vater geerbt hat, will diese hegen und pflegen– für seine Nachkommen. Was liegt da näher, sich mit seiner Junghans-Uhr auf den Weg in den Schwarzwald nach Schramberg zu begeben.

Schramberg im Schwarzwald. Noch bevor das Ortseingangsschild passiert ist, fällt mein Blick aus dem Bentley Arnage von der Serpentinenstraße ins Tal auf eine Häuserwand, die herausragt aus der Idylle. Auf ganzer Breite und Höhe prangen darauf eine Junghans-Uhr und der Slogan „Aus Schramberg in die ganze Welt“. Das war einmal. Damals, als jeder wusste, wofür Junghans steht. Begeben wir uns zuerst einmal auf eine Zeitreise. 1861 war das Geburtsjahr der Firma Junghans. Gemeinsam mit seinem Schwager Jakob Zeller-Tobler gründete Erhard Junghans das Unternehmen in Schramberg, einem kleinen Städtchen im Schwarzwald. Zunächst spezialisiert auf die Fertigung von Einzelteilen für die Uhrenproduktion, war die Präzision aus dem Hause Junghans bald Synonym für beste Fertigungsqualität. 1866 wurden die ersten Uhren von Junghans’ eigenen Uhrmachermeistern konstruiert und gebaut. 1890 wurde das bis heute bekannte Junghans Markenzeichen, der acht-strahlige Stern, erstmalig eingetragen. Bereits in dieser Zeit entstanden zahlreiche Patente und Verfahren, die Junghans höchste Qualitäts- und Fertigungsvorteile verschafften. Junghans Uhren wurden zum Inbegriff für erschwingliche und hochwertige Qualität aus Deutschland und fanden weltweit reißenden Absatz. 1903 wurde die Vision Realität: Junghans war die größte Uhrenfabrik der Welt. Mit über 3.000 Beschäftigten stellte man mehr als drei Millionen Uhren pro Jahr her. Eine räumliche Expansion am Fertigungsstandort wurde bald erforderlich. Es entstand der heute denkmalgeschützte Terrassenbau, der durch seinen stufenförmigen Aufbau jedem Arbeitsplatz in der Uhrenfertigung Tageslicht bot. In diesem architektonisch einmaligen Terrassenbau wurden dann auch die ersten mechanischen Armbanduhren gefertigt.

Was 1861 in Schramberg mit der Firmengründung begann, hat sich schnell zu einer der faszinierendsten Erfolgsgeschichten deutscher Uhrenindustrie entwickelt. Die Anforderungen an die Uhr mögen sich seit dieser Zeit verändert haben – die Philosophie von Junghans blieb immer die gleiche. Innovationsgeist und das ständige Streben nach Präzision bis ins kleinste Detail bestimmen das Denken und Handeln aller Junghans Mitarbeiter. Und Einen davon treffe ich nun bei meiner Zeitenreise zu Junghans: Matthias Stotz. Von Ihm werde ich persönlich empfangen und in das derzeitige Hauptgebäude auf dem rießiegen Firmenareal begleitet. Gleich zu Beginn fragt mich Matthias Stotz, ob es den störe, wenn er sein Jackett ablege. Normalerweise tue er das nicht, aber angesichts der ungewohnt sommerlichen Temperaturen solle man es bitte entschuldigen. Die Atmosphäre ist entspannt, interessiert lausche ich seinen Erläuterungen zum Uhrenmarkt im Allgemeinen und der Marke Junghans im Besonderen. Der Südwesten Deutschlands, insbesondere der Schwarzwald, war schon immer eine Region der Tüftler und Erfinder. Viele Unternehmen der feinmechanischen Industrie, die heute Weltgeltung besitzen, haben hier ihren Ursprung. Eine lange Tradition, in der innovative Ideen große Technologieumwälzungen hervor gebracht haben. Deutschlands traditionelles Uhrmacherhandwerk und darauf aufbauend eine expandierende Uhrenindustrie, die auch heute internationale Standards setzt, haben im Schwarzwald ihre Wurzeln. Das Schlüsselmerkmal ihrer Andersartigkeit ist die spezielle Art ihrer Inhaberschaft. Familienunternehmen haben eine Familie mit einem generationsübergreifenden Unternehmerverständnis als dominierender Inhaber. Damit verbinden sich spezifische Vorteile, aber auch Herausforderungen. In dieser Tradition steht Junghans seit über 150 Jahren: In der Tradition eines Familienunternehmens, aus dem Schwarzwald heraus für die Welt.
Und Matthias Stotz weiß wovon er spricht. Hannes Steim und sein Vater Hans-Jochem haben Junghans 2009 aus der Insolvenz herausgekauft und ihn eingestellt. Sie wollten Junghans nicht einfach sterben lassen. Und man kennt sich, sind die beiden Retter doch Unternehmer aus der Nachbarschaft: Ihre Kern-Liebers-Gruppe ist Weltmarktführer für Präzisionsfedern. Es sei ihnen nie ein Herzenswunsch gewesen, Eigentümer von Junghans zu werden, wohl aber eine Herzenspflicht, sie vor dem Untergang zu bewahren. Denn Junghans ist ja nicht irgendein Unternehmen, sondern ein Kulturgut. Stotz ist nicht nur als Geschäftsführer eingestellt worden. Er kommt aus der Region, ist weltgewannt und Uhrmacher in vierter Generation. Mit Uhrmacher hat er einen Beruf erlernt, in dem man es ohne einen gewissen Hang zur Pedanterie nicht weit bringt. „Der Horizont eines Uhrmachers ist oft nicht größer als der Rand seiner Lupe“, sagt er und lächelt. Als Gesellenstück baute er ein Tourbillon und damit gleich die schwierigste technische Spielerei, die man in eine mechanische Uhr einbauen kann, um deren Ganggenauigkeit zu erhöhen. Neben seinen Erläuterungen betrachte ich die aktuelle Uhren-Kollektion, darunter eine Meister Agenda in Gold mit schwarzem Lederarmband. „Das ist eine gute Wahl“, so Stotz der meine Unschlüssigkeit ob der vielen schön schlichten Uhren bemerkt hat. „Seit 1936 steht das Prädikat Meister bei uns für den klassischen Uhrenbau “. Ich wäge ab, probiere und stelle fest dass dieses Model wie selbstverständlich zu mir passen würde. Gemeinsam vergleichen wir die Uhr mit meiner Original-Junghans-Uhr aus dem Jahre 1960. Dieses gute Stück hat sich mein Vater gekauft als ich zur Welt gekommen bin. Natürlich – die neunen Uhren sind größer, wirken selbstverständlicher wobei mir versichert wird, dass ich diese schöne Uhr nach wie vor gut tragen kann. Und wir sprechen darüber, dass man sich meinem Erbstück beim Rundgang einmal intensiv annehmen wird. Bin gespannt.

Ganz zwanglos, Beide ohne Jacket machen wir uns auf den Rundgang durch die Produktion. Beginnend im Einkauf, beim Vertrieb kommen wir auch gleich in’s Allerheiligste. Hier am Arbeitsplatz von Hans Grammel bekomme ich Entwürfe von Ziffernblätter gezeigt, ein paar Meter weiter erlebe ich gerade die Gestaltung der Gehäuse. „Schlichte Uhren sind am schwierigsten“, erläutert mir Stotz. „Allein winzigste Änderungen an einem Model von Max Bill bedeuten langwierige Verhandlungen mit dessen Erben“. Hier muß alles passen – vom ersten Entwurf über die Materialbeschaffenheit bis hin zur Verpackung. Da kann es schon von Vorteil sein, wenn Design und Konstruktion im Unternehmen selbst stattfindet. Im ursprünglichen Sinne gilt Junghans als ein Betrieb in der Übergangsform vom Handwerk zur Fabrik. So wird in der Uhrenindustrie der Begriff Manufaktur für jene Hersteller verwendet, welche die meisten und wesentlichen Einzelteile der Uhren — vor allem die Uhrwerksteile — selbst anfertigen. Hier im Werk selbst, wo Federn und Rädchen gesetzt und geschraubt werden, sieht es für mich aus wie in einer Chipfabrik. Ohne Schutzkleidung ist uns der Zutritt auch verboten. Von außen kann ich betrachten, wie konzentriert die Uhrmacher hinter der Glaswand an den jeweiligen Meisterstücken arbeiten. Und seit der Renaissance der Junghans-Uhren verbindet sich mit dem Begriff der Manufaktur wieder die Vorstellung von Fleiß, Hingabe und Qualität, während technisierte Massenfertigung in anonymen Fabriken den Beigeschmack von Seelenlosigkeit mit sich bringt. Was Junghans von jeher auszeichnet – darum bemühen sich wieder zahlreiche Uhrenhersteller. Um den Status der Manufaktur zu erreichen – ich selbst kann mich überzeugen wie Konzeption, Design, Konstruktion und Qualitätssicherung sowie die Montage jeder einzelnen Uhr bei Junghans in Schramberg stattfindet. Eine „Junghans“ ist somit nicht nur „Made in Germany“, sondern auch von den Menschen aus der Region geprägt. Dies erinnert mich stark an meinen letzten Besuch bei Bentley in Crewe. Was die Themen Leidenschaft und Präzision anbelangt haben die beiden Traditionsunternehmen mehr gemeinsam als man auf den ersten Blick vermuten würde.

Inzwischen sind wir – gemeinsam mit meinem Erbstück – im Atelier bei Junghans angekommen. Ich bin schon ganz nervös, denn bis dato war ich noch nie dabei wenn an dieser Uhr etwas repariert werden musste. Obwohl ich bei meinem Rundgang gesehen habe, dass Uhren seit Jahrzehnten zu den faszinierendsten Objekten technischen Einfallsreichtums gehören so birgt für mich als Besitzer der alten Uhr dies keinesfalls nur rein praktische Aspekte. So empfinde ich das öffnen meiner Uhr als Emotion pur. Die junge Uhrmacherin lächelt meine Nervosität professionell weg. Routiniert wird von Ihr die Uhr geöffnet, dabei kann ich sehen wann die letzten Reparaturen stattgefunden haben. Die vier Uhrmacher, denen mein Vater ,in all den Jahren seine Uhr anvertraut hat, haben auf der Innenseite des Deckel Datum und Signet graviert. Was sich nun vor mir auftut ist eine Zeitreise durch das mechanische Uhrmacherhandwerk. Unter Mikroskop werden erste Abnutzungserscheinungen festgestellt, ebenso dass die Uhr inzwischen nicht mehr genau funktioniert und das es sich letztendlich lohnen würde diese für die nächsten Tage, Wochen bei Junghans zur eingehenden Revision zu belassen. „Damit“, so versichert mir Matthias Stotz „wird mein Erbstück wieder fit gemacht werden für die nächste Generation“. Und bei dieser Gelegenheit wird sie auch wieder ein Original-Armband erhalten. In etwa vierzehn Tagen wird sie abholbereit sein. Ich bin fasziniert. Was sich zu allererst als einem kleinen Ausflug mit dem Bentley nach Schramberg für das RETROWELT Magazin auftat ist für mich zu einer spannenden Reise durch ein jahrhundertealtes Handwerk samt einer Zeitreise geworden. Jetzt erst recht kann ich verstehen, warum es in den letzten Jahren wieder verstärkt Liebhaber, Sammler und Träger einer „Junghans“ gibt.

Langsam verlasse ich Schramberg wieder in Richtung Stuttgart. „Junghans ist Schramberg und Schramberg ist Junghans“. Dieses Zitat verdeutlicht einmal mehr die enge Verbindung der Uhrenfabrik und der Fünf-Täler-Stadt. Wohin der Blick schweift, das Unternehmen und dessen Einfluß auf die Stadt, ist sicht- und spürbar. Rückblickend kann ich nur jedem einen Besuch und einen Einblick in die faszinierende Geschichte des Unternehmens empfehlen.

Was mich nun beim Verfassen des Textes umtreibt, ist die Gewissheit, dass mein Erbstück bei Junghans in guten Händen ist und ich der Geschichte der Uhr meines Vaters eine neue Facette hinzufügen kann. Und liebäugele damit, mir bei der Abholung meiner Uhr von Herrn Matthias Stotz nochmals die Meister Agenda zeigen zu lassen.