Fahrkultur
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Einmal Le Mans und zurück

TEXT  Frederik Dulay-Winkler  
·  FOTOS  Frederik Dulay-Winkler  
·  3.11.2021
Einmal Le Mans und zurück
Le Mans duftet wie kein anderer Ort auf dieser Welt. Das fällt mir sofort auf, als ich die Plane meines luxuriösen Zeltes zurückschlage und ins französische Sonnenlicht blinzle. Es riecht warm, kräutrig, eine leichte Brise trägt den Duft blühender Pflanzen heran. Darunter mischt sich eine feine Note Benzin, ein wenig Asphalt, eine Spur von Gummi.
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Nur wenige hundert Meter entfernt, die legendäre Mulsanne, jene schicksalhafte Gerade, deren Name allein die Kraft hat, eine meterdicke Gänsehaut heraufzubeschwören. Der trompetenhafte Sound ist der Soundtrack dieses Ortes, dieses Mekkas der Motoren. Das 24-Stunden-Rennen von Le Mans geht in die heiße Phase. Schnell noch einen Kaffee holen.

Schmuckstücke im Tunnel: Mit Aston Martin auf dem Weg von England nach Le Mans.

Wenige Tage zuvor in der Grafschaft Kent im Süden Englands. Ebenso wie Frankreich in der Region rund um Le Mans noch so richtig französisch ist, wird es nur sehr schwer englischer als hier in Kent. Eine lange Baumallee führt an gemauerten Schafweiden zu einem Landsitz wie aus einem Jane-Austen-Roman. Dann ragt Eastwell Manor vor mir auf. Imposant, herrschaftlich, grauer Stein, passend inszeniert vom englischen Landregen, ohne den diese Region einfach nicht dieselbe wäre. Vor dem Anwesen schaffen es einige Objekte, die Aufmerksamkeit ganz schnell vom alten Gemäuer abzulenken. Aston-Martin-Modelle, die jedes Herz höher schlagen lassen, das zumindest ein kleines bisschen von Stil, Design und Geschichte des Automobils versteht. Sofort sticht mir ein roter V8 aus dem Jahr 1975 ins Auge, glänzend, prachtvoll, Liebe auf den ersten Blick.

Schon am nächsten Morgen werde ich auf Einladung von Aston Martin in einem der legendären Autos Platz nehmen und durch den Eurotunnel nach Le Mans düsen. Allein diesen Satz zu schreiben klingt surreal, wie aus einem Traum. Und nicht nur das: Ich bin schon wenige Stunden später dabei, als das 24-Stunden-Rennen startet. Es ist ein einschneidendes Erlebnis, das die meisten als Schisma empfinden – und danach nur noch von der Zeit vor ihrem ersten und nach ihrem ersten Rennen von Le Mans sprechen. Klingt albern? Nicht für jemanden, der schon mal beim Start dieses Rennens dabei war. Der Start von 62 Fahrzeugen lässt die Tribüne erbeben, für die nächsten 24 Stunden ist die Rennstrecke, die Stadt, die gesamte Region im Ausnahmezustand. Das hier ist eben nicht irgendein Rennen. Das ist Le Mans. Elektrisierender gehrt es nicht.

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Das hier ist nicht irgendein Rennen. Das ist Le Mans.

Einmal Le Mans und zurück
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Zurück an der Mulsanne, jener kilometerlangen Gerade, auf der um jeden Zentimeter gekämpft wird. 18 Stunden sind vergangen, fast schäme ich mich, dass ich ein paar Stunden auf der luxuriösen Glamping-Site von Aston Martin geschlafen habe. Die Piloten haben ja auch kein Auge zugetan! Eines wird mir klar, als ich mir einen Kaffee geholt habe: Rennfahrer sind die letzten Gladiatoren unserer Zeit. Beim Motorsport gibt es nur 100 Prozent. Ach was, 120. Leidenschaft, Begeisterung, Leidensfähigkeit sind ihr Motor. Eine Spazierfahrt, wie ich sie zu diesem sagenumwobenen Ort unternommen habe? Fehlanzeige! Vor allem bei einem 24-Stunden-Rennen zeigt sich Runde um Runde die nackte Brutalität, der pure Wahnsinn, der Kampf um Sekunden auf der Stoppuhr und die entscheidenden Zentimeter Wagenlänge, die brachialen G-Kräfte. Schon vor dem Scheitelpunkt der letzten Kurve brüllen die Motoren auf und drücken die tollkühnen Rennfahrer in ihre engen Schalensitze. Feuer frei, Runde um Runde.
Runde um Runde zeigt sich die nackte Brutalität, der pure Wahnsinn, der Kampf um Sekunden auf der Stoppuhr.

Viel mehr als Motorsport

Einmal Le Mans und zurück

Bei diesem Rennen geht es nicht nur um den Sieg. Es geht darum, diese geschichtsträchtige Strecke zu fahren wie es Generationen von Rennfahrern zuvor gemacht haben. Le Mans hat eine fast 100-jährige Tradition, das 24-Stunden-Rennen ist viel mehr als Motorsport und Rundenzeiten. Es ist ein Stück Kultur, ein Stück Frankreich, das ich in diesen Tagen mit Staunen, Ehrfurcht und Freude kennengelernt habe. Und diesen unvergleichlichen Duft, den werde ich nie wieder aus der Nase bekommen.

Der Artikel zu Aston Martin und dem Ausflug nach Le Mans ist im Magazin RETROWELT Ausgabe #14 erschienen. Text und Fotos von Frederik Dulay-Winkler

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