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Die neue Braukultur

TEXT  Norbert Leder  
·  FOTOS  Bernd Ruter, Ines Ruck  
·  21.10.2021
Weg von der Massenware hin zum Qualitätsbier. Ein Trend, der in den USA bereits in den 70er-Jahren begann, hat seit geraumer Zeit auch Deutschland erreicht: Craft Beer erfreut sich immer größerer Beliebtheit.
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Neue Bierstile. Alte Bierstile. Kleine Brauereien. Junge Brauer. Gegen das Reinheitsgebot. Kreativ. Diese Stichworte fallen häufig, wenn von Craft Beer die Rede ist. Alles nicht falsch. Nichts so ganz richtig. Vielleicht ist es gut zu wissen, dass der typische deutsche Biertrinker in der Regel zwischen vier und sechs verschiedene Biersorten kennt – und trinkt. Pils, Hefe oder Starkbier sind praktisch jedem ein Begriff, und doch ist dies noch lange nicht das Ende der Fahnenstange. Über 100 verschiedene Bierstile sind mittlerweile weltweit bekannt. Einen großen Einfluss auf die wachsende Zahl hat das Craft Beer. So wollen die Brauer wieder Menschen für ihr meist regional gebrautes Bier begeistern. Bevorzugt werden Rohstoffe aus der Region verwendet, die meisten würden am liebsten alles selbst anbauen und herstellen.

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Die Brauer wollen ein gemeinsames Erlebnis schaffen.

Mit der Faszination und Leidenschaft für eines der ältesten und natürlichsten Lebensmittel der Erde. Und das Trinken von Bier soll wieder verbinden: Menschen, Lifestyle, Genuss und Moderne. Dabei können die Brauereien auf eine nahezu grenzenlose Rohstoffvielfalt bei Malzen, Hopfen und Hefen zurückgreifen. Wer sich mit der Herstellung von Qualitätsbier beschäftigt, dem geht es vor allem um hochwertige Zutaten und innovative Geschmacksrichtungen. Während Großbrauereien immer wieder nur Varianten derselben Ursprungsformel herausbringen, suchen die kleinen Mikro-Brauereien nach neuen Ansätzen. Die Menge des produzierten Craft Beer und die hohe Qualität der Zutaten führen dabei in der Regel dazu, dass es erheblich teurer ist als normale Biersorten. Somit stemmen sich diese Biere erfolgreich gegen den immer stärker schrumpfenden Bierkonsum und den daraus resultierenden Umsatzrückgang. Gleichzeitig verleiht der höhere Preis dem Bier aber auch einen besonderen Status.

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Bier soll überraschen! Mit Geschmack und Aromen.

So kann es schon einmal passieren, dass man ein Craft Beer in einem Whiskeyglas serviert bekommt. Eins haben alle Craft-Beer-Sorten gemein: Bei der Herstellung gibt es keine Regeln. Durch kreative Ansätze und spezielle Kniffe in der Verarbeitung werden Bierspezialitäten kreiert, die sich durch individuelle Geschmacksprofile und eine abwechslungsreiche Stilistik auszeichnen. Niemand muss sich an Braugesetze oder ähnliche Rezepte halten. Lediglich die deutschen Hygienebestimmungen sollten befolgt werden. Ansonsten stehen jedem Brauer das Vorgehen und die Zutaten vollkommen frei. Gebraut wird, was einem selbst oder den Kunden schmeckt. Interessant wird es vor allem immer dann, wenn der Braumeister einen unkonventionellen Weg geht.

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Erlaubt ist, was schmeckt

Sehr beliebt ist es zum Beispiel, Biere ähnlich wie Rum oder Cognac in Fässern reifen zu lassen. Gerade wenn dazu ehemalige Whisky- oder Cognac-Eichenfässer genutzt werden, erhalten die entstandenen Biersorten meist eine besondere Note, die fast in eine fruchtige Richtung geht. Dabei entsteht eine absolut nachhaltige und aufregende, andere, neue Bier- und Getränkevielfalt als Alternative zu etablierten Massenbieren und Getränken. Die junge Braugeneration steht für geschmacksintensive und charakterstarke Biere nebst alkoholfreien Sorten, für Abwechslung im Sortiment, Experimentierfähigkeit und neue Technologien.

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Aufbruch und Abkehr von alten Mustern

Für viele der mittelständischen Unternehmen ist der neue Trend nun eine Bestätigung der bereits vorhandenen Strategie. Für sie ist die Verwendung hochwertiger Zutaten für das Brauen der Biere schon lange Tradition und gehört zum Erfolgsrezept. Ginge es allein um Größe, Tradition und vielleicht sogar um den Aspekt der Handwerklichkeit, wäre dem auch nur schwer etwas entgegenzusetzen. Allerdings würde man so übersehen, dass es bei Craft Beer und der Bewegung dahinter eben auch um Aufbruch und Abkehr von alten Mustern geht. Nicht umsonst spricht man oft von der „Craft Beer Revolution“: Weil es hier darum geht, das alte Produkt Bier neu zu erleben. Neu zu brauen und neu zu trinken. Wenn jemand seit 270 Jahren das eine, selbe „Helle“ braut, so wie das schon der Vater vom Vater vom Vater gemacht hat, dann ist das nicht „craft“ im Sinne der Erfinder. Und etwas ganz Entscheidendes wird dabei auch klar: Es braucht die Begeisterung für Produkte und für Menschen, es braucht Genießen, Erleben und Begeistern. Am Ende profitiert jedoch besonders der Biertrinker selbst vom Craft Beer: Niemals zuvor gab es so eine breite Bierauswahl wie heute!

Dieser Artikel ist hier gekürzt wiedergegeben und in voller Länge in der RETROWELT Ausgabe #21 nachzulesen.

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