Lebensart

Fast, Clever & Fair

TEXT  Christian List  
·  FOTOS  Christopher Lee / New York Times  
·  28.10.2021
Bike-Polo
In den Metropolen haben Fahrradkuriere ein altes Spiel wiederbelebt: Bike-Polo. Es ist rau, hat viel mit Eishockey gemein und setzt perfekte Fahrkünste voraus. Das Fahrrad aufgezäumt, Schläger raus und los geht’s – beim Bike-Polo stehen Teamgeist und der Spaß am Spiel im Vordergrund.
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Polo verbinden die meisten zunächst mit Pferden, Geld und Tradition. Doch mit seinem großen Bruder hat Bike-Polo nicht viel gemein, statt Gutsherren-Dünkel zählt hier der „do it yourself“-Gedanke. Ein altes Spiel, von Fahrradkurieren neu entdeckt, hat sich weltweit zum urbanen Vergnügen weiterentwickelt. Und so geht’s: Die Spieler versuchen auf dem Fahrrad sitzend in Dreier-Teams, einen kleinen Ball mit Poloschlägern ins gegnerische Tor zu befördern. Dabei zählen nur Treffer, die mit den runden Schlägerenden erzielt wurden.

Bike-Polo

Gespielt wird meist auf einem Autoparkplatz oder in einer Tiefgarage. Beim Bike-Polo variieren die Regeln von Stadt zu Stadt, zumeist gewinnt aber das Team, welches als erstes fünf Tore erzielt hat. Wer den Boden mit dem Fuß berührt ist aus dem Spiel und muss entweder einen Kreis fahren oder einen festgelegten Punkt auf dem Spielfeld mit dem Schläger berühren, bevor er wieder einsteigen darf.

Wie man sieht – und spürt: Kontakte von Schläger zu Schläger und Körper zu Körper sind erlaubt. So geht es rau zu: Schläger klacken, Räder blockieren, Ellenbogen bohren sich in die Seiten des Gegners. Einer fliegt mit dem Kopf voran über den Lenker, springt sofort wieder auf, schmeißt sich in den Sattel, stürmt zum Tap-out, schlägt an, rast zurück. Die Spieler sind Kämpfer, hart im Nehmen und gnadenlos beim Austeilen. Jeder will gewinnen. Zum ersten Mal gespielt wurde Bike-Polo Anfang der 2000er Jahre von Fahrradkurieren in Seattle, die sich damit in Pausen die Zeit vertreiben wollten.

Der Sport breitete sich zunächst in New York aus, fand aber schon bald auch den Weg nach Europa und in den Rest der Welt. Inzwischen wird Bike-Polo in über 30 Ländern und 300 Städten gespielt. Bike-Polo kommt ohne feste Organisationsstruktur aus, Weltmeisterschaften und Turniere werden gemeinsam von den Spielern ausgerichtet. Auf dem Spielfeld ist fast alles erlaubt. So ist Bike-Polo im 21. Jahrhundert eine krude Mischung aus Eishockey, Rugby und Fahrradkunst. Die Sportgeräte sind meist so genannte Fixies – Fahrräder mit kurzen Radständen, niedrigen Rahmen und abgesägten Lenkern. Das macht sie extrem schnell und wendig. Als Spielball kommt meist ein Streethockey-Ball zum Einsatz, den es schon für knapp einen Euro zu kaufen gibt. Getreu dem Motto „do it yourself“ kann man seinen Schläger aus einem alten Skistock und einem Rohr selbst herstellen. Je nach Nationalität ist der Fahrstil ruppiger oder eleganter.

Dem Gegner Angst zu machen und Respekt einzuflößen sind Teil des Spiels, aber der Trend geht, jedenfalls in Europa, zu mehr Spieltechnik. Auch wenn der Wettbewerbsgedanke beim Bike-Polo eher nachrangig ist und man sofort mit dem Spiel beginnen kann, ist es ein durchaus anspruchsvoller Sport. Im Vordergrund stehen die Kontrolle über das Rad, Ballgefühl und Koordination gegenüber den Mit- und Gegenspielern. In Deutschland gibt es Bike-Polo-Teams in zahlreichen Städten. Was wo los ist, erfährt man beispielsweise in diversen Bikepolo Foren.

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