Lebensart

LIEBE AUF DEN ZWEITEN BLICK

TEXT  Heike Lange  
·  FOTOS  : Frederik Dulay-Winkler  
·  20.04.2022
Es gibt Autos, die starten als hässliche Entlein. Als Fehlkonstruktion oder als Idee, die ihrer Zeit zu weit voraus ist – und dann entpuppen sich gerade diese Modelle später als begehrte Sammlerstücke.
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Einmal in Cape Town unterwegs liegt es nahe, einen Abstecher zu Crossley & Webb zu unternehmen. Das Unternehmen für Handel, Wartung und Restauration von historischen Luxusfahrzeugen ist in einem Lagerhaus aus den 1920er-Jahren in Gardens Cape Town untergebracht. Einmal mehr zeigt sich, das wir allesamt für das Thema „historische Fahrzeuge in historischem Ambiente“ mehr als empfänglich sind. Jedes Gebäudeteil, jedes Detail an den Fahrzeugen atmen erlebte Geschichte – welch eine Wohltat nach all den vergangenen Monaten mit ihren unendlichen, immer gleichen Netflix-Serien-Wochenenden. Wir stellen fest: Das Leben ist schön – und es findet jetzt statt! Und da kommt uns das Fotoshooting mit einem seltenen Lamborghini 350 GT mehr als gelegen. Nicht unerwähnt bleiben sollten seine besonderen Merkmale. Denn mit dem 350 GT legte Ferruccio Lamborghini den Grundstein für eine der exklusivsten Automarken.

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Aktuelle Lamborghini-Modelle fallen vor allem durch ihr rasiermesserscharfes Design auf, für das sich die Italiener gerne von Kampfjets inspirieren lassen. Der damalige 350 GT dagegen war nicht extrem, sondern elegant: Romantische Rundungen und harmonische Proportionen machten das von der Carrozzeria Touring in Turin eingekleidete Coupé zu einem der schönsten Sportwagen seiner Zeit und ließen die Konkurrenten aus Maranello fast bieder aussehen. Auch innen folgte der 350 GT noch einem anderen Schönheitsideal: Wo Lamborghini die Kunden heute in eine kalte Welt aus Carbon und schwarzem Leder zwingt, gibt der Fahrer in diesem Oldtimer den sportlichen Grandseigneur. Schließlich waren vor allem die kompromisslose Härte und der mangelnde Reisekomfort Dinge, die Lamborghini an den anderen Supersportwagen jener Zeit gestört hatten. Im 350 GT thront man auf kleinen, aber feinen Ledersesseln, der Blick schweift über eine hübsche Uhrensammlung, die Finger fliegen über eine Reihe kleiner Kippschalter. Und die Hand greift in[JG1]  ein Lenkrad, das groß genug ist, um einen Ozean-Dampfer zu steuern

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Was wir einerseits an Sportwagen wie Lamborghini und anderseits an Oldtimern so lieben kann man auch tiefenpsychologisch angehen: Hirnforscher und Psychologen haben untersucht, warum wir solch schöne Fahrzeuge so sehr mögen. Dabei zeigt sich: Autos werden regelmäßig vermenschlicht und Frauen lieben sie aus anderen Gründen als Männer. Jetzt sind sie sicherlich gespannt, was dabei herausgekommen ist. Doch eines vorneweg: Es wird sehr emotional“ „Denn Liebesbeziehungen zum Auto und zwischenmenschliche Liebesbeziehungen“, ist mir erklärt worden, „sind sich erstaunlich ähnlich.“ So zeigten beide dieselben drei Komponenten: Leidenschaft, Intimität und nicht zuletzt den Wunsch, sich dauerhaft zu binden. Das gilt auch für uns Frauen. Denn wir haben keineswegs nur ein rational-pragmatisches Verhältnis zum Auto, wie es – vor allem von uns selbst – gerne behauptet wird. So haben die Forscher festgestellt, dass der weibliche Anteil unter den funktionalistischen und gelassenen Autofahrern keineswegs überdurchschnittlich ist. Für die Funktionalisten zählt, dass ihr Vehikel fährt und sicher ist, und die Gelassenen freuen sich vor allem am entspannten Dahingleiten auf vier Rädern in allerschönster Karosse. Damit wären wir wieder beim 350 GT … in Bildern schwelgen und nachzulesen in der RETROWELT Ausgabe #23.

Lamborghini 350 GT: www.crossley-webb.com

Models: Catharina W. (Topco Models) Lars S. (Lind Models)

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